Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

zu der Karikatur gehört noch eine Sprechblase: Irgendetwas müssen wir falsch gemacht haben! Wenn wir das Bild einmal übersetzen: Der erdrückte Hahn steht für die wenigen, die in einer Gemeinschaft von Menschen die Aufgaben übernehmen, die nötig sind. Die Tiere darüber sind die vielen, die in Anspruch nehmen, sich tragen zu lassen. Der französische Philosoph Pascal Bruckner hat dies als Kennzeichen unserer Zeit beschrieben. Er nennt es Infantilismus. Der Mensch wird zu einem alternden Riesenbaby mit wachsenden Ansprüchen an die Gesellschaft.

„Der Infantilismus verbindet ein Verlangen nach Sicherheit mit einer grenzenlosen Gier, er bringt den Wunsch zum Ausdruck, versorgt zu werden, ohne selbst die kleinsten Pflichten zu übernehmen.“

Überall begegnet uns dieses Phänomen, auch in einer Gemeinde. Dabei ist die andere Haltung so einfach: geben und nehmen, mittragen und sich tragen lassen. Diejenigen, die etwas von sich geben, werden immer wieder erleben, dass sie darin auch selbst wachsen, dass sie ungeahnte Kräfte entwickeln und dass sie Gemeinschaft und viel Freude erfahren. Die Voraussetzung ist allerdings, dass viele bereit sind, zu geben und zu nehmen, damit nicht die Karikatur Recht behält.

Wenn wir unsere beiden Kirchweihfeste feiern, am 15. September in St. Augustinus und am 29. September in Heilige Familie, wird dies wieder ganz aktuell: einfach dabei sein, mittun, einander begegnen, auf mir noch unbekannte Menschen zugehen, ins Gespräch kommen, anpacken, wo es nötig ist!

Ebenso gilt dies für die Wahlen zum Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand am 24. November, die wir vorbereiten. Sie sind ein Zeichen, wie sehr uns unsere Pfarrei am Herzen liegt, ob wir sie auch in Zukunft in unserer Verantwortung gestalten wollen.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle