Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

 kürzlich stand auf dem Kalenderblatt ein Wort von Albert Schweitzer: „In der Hoffnung, den Mond zu erreichen, vergisst der Mensch die Blumen, die zu seinen Füßen blühen.“ Der große Maler Albrecht Dürer hat sie nicht vergessen. Unter seinem immensen Werk befindet sich das „Große Rasenstück“ aus dem Jahr 1503, das das Titelbild unseres Pfarrbriefs zeigt. Die Kunsthistoriker rätseln, was es dieser Pflanzenstudie auf sich hat. Diente sie der Vorbereitung eines Marienbildes mit vielen Pflanzen und Tieren? In jedem Fall muss der berühmte Maler auf der Erde gelegen haben, um zu skizzieren, was er sieht: Gräser, Schafgarbe, Wegerich, Löwenzahn… Und wie detailgetreu hat er das, was er sah, auf das Papier gebracht. Man muss Augen haben, um das Großartige in den kleinen Dingen zu sehen. „Denn wahrhaftig steckt die Kunst in der Natur“, schreibt Dürer einmal. Viele religiöse Bilder stammen von seiner Hand: Passionszyklen, Marienbilder, Altäre – auch sich selbst hat er mit dem Antlitz Christi in Verbindung gebracht. Hatte er die Ahnung, dass Gott sich in jedem seiner kleinen Geschöpfe zeigt?
Vielleicht haben Sie sich große Ziele für den Sommerurlaub vorgenommen: hohe Berge, berühmte Städte und Kunstwerke… Welche Freude, dies alles zu sehen! Aber machen Sie es immer wieder wie Dürer: Kommen Sie herunter auf die Erde und machen die Augen auf für das, was Ihnen auf einer Sommerwiese entgegenkommt: Wunderwerke der Schöpfung Gottes. Jeder Halm, jede Feldblume, jeder Schmetterling, jede Hummel – ein Wunderwerk der Schöpfung.
Dann kann der Blick auf das eigene Leben gehen: Auch mich hat Gott geschaffen. Habe ich einen Blick für das Gute in meinem Leben? Wenn ich auf das letzte Halbjahr schaue: Wofür bin ich dankbar? Es müssen keine großen Dinge sein: Alles, wofür ich mich abgemüht habe, wo ich für einen Menschen da sein konnte, wo ich ein wenig Freude bringen konnte, zählt. Auch alles, was ich gelernt und bestanden habe, gehört dazu. Jesus sagt: „Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, wieviel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen" (Mt 6, 28-30).
Am Ende der Ferien, am 23. August, wollen wir den Schöpfungstag begehen und die Hl. Messe um 10.30 Uhr bei günstigem Wetter im Pfarrgarten Heilige Familie feiern. Bringen Sie mit, was Sie in diesem Sommer gesehen haben: Fotos, kleine Erinnerungsstücke, Zeichnungen, Erlebtes…

Gemeinsam mit den Mitarbeitenden grüßt Sie und wünscht Ihnen erholsame Ferien-Tage,

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle