Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

Reiner Kunze hat ein Gedicht für Peter Huchel geschrieben, der bis zu seiner Ausreise in den Westen 1971 von der Stasi observiert wurde.

ZUFLUCHT NOCH HINTER DER ZUFLUCHT

Hier tritt ungebeten nur der wind durchs tor

Hier
ruft nur gott an

Unzählige leitungen lässt er legen
vom himmel zur erde

Vom dach des leeren kuhstalls
aufs dach des leeren schafstalls
schrillt aus hölzerner rinne
der regenstrahl

Was machst du, fragt gott

Herr, sag ich, es
regnet, was
soll man tun

Und seine antwort
wächst grün durch alle fenster

Das Gedicht zeichnet das Bild eines ländlichen Bauerhofs, in das sich der Dichter zurückgezogen hat — seine Zuflucht, in die keine ungebetenen Gäste kommen. Aber einer findet den Weg dennoch zu ihm: Gott, der unzählige „Leitungen“ in unseren Alltag hinein legt. Wenn wir dafür einen Blick bekämen!

Von einer dieser Leitungen erzählt das Gedicht in einem Bild. Gott stellt uns in Frage: Was machst du? Wir haben eine Entschuldigung parat: Es regnet — eine Störung, gegen die man nichts tun kann. Aber Gott will die Augen dafür öffnen, dass auch in den Hindernissen Chancen liegen:

Und seine antwort
wächst grün durch alle fenster

Für mich ist dies ein Pfingstgedicht. Da, wo ich mich einigle, findet Gott immer noch den Weg. Er stellt mich in Frage: Was machst du? Und er gibt sich nicht mit meinen Ausflüchten zufrieden. Er ist der Gott, der lebendig macht und immer neues Leben schenkt. Er ist die Zuflucht noch hinter der Zuflucht.

In unserer Gemeinde begrüßen wir unsere neuen Mitarbeiter, Herrn Konrad Liebsch und Herrn Martin Preuschoff, die in diesem Monat als Hausverwalter bzw. Hausmeister ihren Dienst beginnen. Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle