Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

der Zenmeister Eido Tai Shimano wurde oft gefragt, wie Buddhisten die Frage, ob Gott existiert, beantworten. Er sagte: „Kürzlich ging ich am Fluss entlang. Der Wind blies. Plötzlich dachte ich: Oh, die Luft existiert wirklich. Wir wissen, dass es die Luft gibt, aber solange uns nicht der Wind ins Gesicht bläst, bemerken wir sie nicht. Hier im Wind wurde mir auf einmal bewusst: Ja, es gibt sie wirklich.

Ebenso die Sonne. Ich bemerkte plötzlich die Sonne, die durch die kahlen Bäume schien. Ihre Wärme, ihre Helligkeit – und all dies ganz kostenlos, ganz unverdient. Einfach da - zu unserer Freude.

Und ohne, dass ich es bemerkte, ganz spontan, faltete ich meine Hände; und mir wurde bewusst, dass ich die Geste der Dankbarkeit machte. Und mir kam der Gedanke, dass dies das Einzige ist, was zählt: dass wir uns verbeugen und aus tiefstem Herzen danken können. Nur das. Nur das.“

Wenn die Urlaubszeit beginnt, wünsche ich uns zunächst, dass wir loslassen können. Ein „Tapetenwechsel“ tut gut. Ich nehme mir vor, keine Arbeit mit in den Urlaub zu nehmen, nicht per Smartphone erreichbar zu sein, sondern im Herzen zu haben: Es geht auch ohne mich! Und wenn es anders gehen sollte, ist es auch gut! Dann wünsche ich mir, dass ich mich einlasse auf den Urlaubsort, das Quartier, die Menschen, die Landschaft, das Wetter…, dass ich nicht vergleiche, sondern alles so nehme, wie es ist. Ich erinnere mich, wie Papst Johannes Paul II., wenn er neuen Boden betrat, niederkniete und die Erde küsste. In Gedanken möchte ich das auch tun: Gesegnet ist dieser Ort, gesegnet diese Menschen... Und ich wünsche mir, dass ich mich – wie dieser Zenmeister - öffne für die kleinen Zeichen, in denen Gott zeigt, dass er da ist. Und dass ich immer wieder spontan die Hände falte und damit der Dankbarkeit im Herzen Raum gebe. Und wenn zwischendurch Erinnerungen an unser Zuhause kommen, an die Arbeit und an all das, was wir im letzten halben Jahr getan haben, dann soll es in Dankbarkeit geschehen. Ein Wort zum Nachsinnen: Dankbarkeit ist die Quelle der Freude. Wenn ich das weiß, erkenne ich auch, woraus all der Ärger, die Streitigkeiten und Kriege entstehen.

Ein Vorschlag: Bringen Sie bitte aus dem Urlaub/ aus den Sommermonaten ein kleines Erinnerungsstück mit: ein Blatt, einen Stein, den Sie gefunden haben, eine Ansichtskarte, ein Foto…. Am ersten Sonntag nach den Sommerferien, dem 28. August, können wir alles zusammen tragen und einander erzählen, welche Erinnerungen darin stecken.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie und wünscht Ihnen Entspannung in den Ferien-Tagen und dann einen guten Start im August

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle