Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

„Die Kraft der Vier“ lautet das Thema der Religiösen Kinderwoche, die wir in der ersten Herbstferienwoche in Zinnowitz veranstalten. Heute zählt man 118 Elemente, die den chemischen Reaktionen zugrunde liegen. Im Altertum sah man die Welt und unser menschliches Dasein aus vier Elementen, vier Grundkräften, aufgebaut: Feuer, Wasser, Luft und Erde. In einem Gedicht von Werner Bergengruen heißt es:

„Allen Dingen sind sie eingewoben,
Brennen, Fließen, Wehen und Beruhn.
Und der Mensch, die Schöpfung ganz zu proben,
muß den Gang durch solche Vierfalt tun.“

Die alte Vorstellung von den vier Elementen kann uns anregen, in den komplizierten Prozessen unserer Welt einfacher zu werden, staunend wahrzunehmen: die Kraft des Feuers, das Fließen des Leben spendenden Wassers, die Leichtigkeit der Luft und die Schwere der Erde. All dies findet sich auch in den Phasen unseres Lebens. Und wir können fragen: Wovon ist mein Leben in diesem Augenblick erfüllt? Welche Grundbefindlichkeit dominiert gerade? Beim Abschlussgottesdienst der Kinderwoche am 20. Oktober danken wir Gott für die Ernte des Jahres, und wir danken für die Schöpfung, in der und von der wir alle leben. Schon die Genesis, das erste Buch der Bibel, wusste, dass unsere Erde ein wunderschöner Garten ist, in den wir Menschen hineingestellt sind, um ihn zu pflegen und zu hüten. Wir haben vergessen, dass wir nur ein winziger Teil der Schöpfung sind, dass wir sie nicht für den augenblicklichen Vorteil ausbeuten und zerstören dürfen.

1957 schickten die sowjetischen Machthaber eine Hündin namens Laika als erstes Lebewesen ins All; sie starb ein paar Stunden nach dem Start der Rakete. Günter Kunert schrieb später ein mahnendes Gedicht:

In einer Kugel aus Metall,
Dem Besten, das wir besitzen,
Fliegt Tag für Tag ein toter Hund
Um unsere Erde
Als Warnung,
Daß so einmal kreisen könnte
Jahr für Jahr um die Sonne,
Beladen mit einer toten Menschheit,
Der Planet Erde,
Der Beste, den wir besitzen.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle