Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

vielleicht finden Sie die Aufforderung auf dem Pfarrbriefmantel etwas merkwürdig: Werde Liebesbote! Glaubensbote oder Hoffnungsbote, wie das Bonifatiuswerk in den letzten Jahren für den Diasporasonntag formulierte, waren wohl weniger befremdlich. Mir kam zunächst der Knabe Amor mit seinen Pfeilen in den Sinn, wie man ihn auf alten Gemälden findet. Dann erinnerte ich mich an meine Schulzeit, in der manchmal Liebesbriefe zwischen uns Heranwachsenden – manchmal auch über Boten – kursierten. Eine Lehrerin kam auf den Gedanken, Kinder in einer Kita und einer Grundschule zu fragen, was Liebe ist. Kinder helfen uns, dieses große Wort so zu übersetzen, dass es für uns fassbarer wird. Ein paar Antworten: „Meine Oma hat so schlimme Schmerzen, deshalb kann sie sich nicht gut bücken. Opa lackiert ihr immer die Fußnägel – aus Liebe.“ (Leonie, 8 Jahre)

„Weil meine Eltern mich liebhaben, sagen sie meinen Namen anders. In ihrem Mund ist mein Name gut aufgehoben.“ (Max, 6 Jahre)

„Wenn zwei sich lieben, benutzen sie Parfum, wenn sie miteinander ausgehen. Dann riechen sie sich gern.“ (Andy, 5 Jahre)

„Liebe ist, wenn Mama Kaffee kocht und ihn zuerst probiert, bevor Papa ihn bekommt. Sie will, dass ihm alles gut schmeckt.“ (Sarah, 7 Jahre)

„Wenn du einem Jungen zeigen willst, dass du ihn magst, musst du ganz doll mit den Augen klimpern. Dann kommen kleine Sterne heraus.“ (Karin, 7 Jahre).

„Liebe macht die Welt besser, deshalb sollte man auch Freunde lieben, die man nicht so mag.“ (Noelle, 8 Jahre)

Die Liebe kennt viele Weisen: vom guten Blick bis hin zur geschenkten Zeit. Wir Christen sagen, dass wir wirklich lieben können, weil Gott uns zuerst geliebt hat und liebt: ohne unsere Vorleistung, trotz der Fehler, die wir machen. Fragen Sie sich einmal, auf welche verschiedenen Weisen Sie dies in den Phasen Ihres Lebens erfahren haben. Beobachten Sie in den Worten und Gesten des Alltags – auch in unserer Gemeinde –, wo überall Liebe drin steckt. Eine Frau erzählte mir, wie ihr jemand dieses so abgegriffene Wort von Gottes Liebe neu zum Klingen brachte: Gott genießt dich! Gott freut sich, dass du da bist. In einem Gebet heißt es: „Gott, es ist deine Freude, unter uns Menschen zu wohnen.“ Es ist nicht Gottes Last oder leidige Pflicht, sondern seine Freude, wenn er in unserer Mitte ist. Eigentlich verrückt (angesichts unserer Fehler und Schwächen), aber die Liebe tut so etwas Verrücktes. Ich denke an Eltern, die gerade das Kind am meisten zu lieben scheinen, das ihnen Kummer macht. Wenn wir das im Herzen haben könnten und so auf Menschen zugehen könnten, als Boten dieser verrückten Liebe... Die Kinder geben uns gute Beispiele, wie es geht.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle