Gedanken zum Monat
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,
am 3./4. Oktober begehen wir den 800. Todestag des hl. Franz von Assisi. Als wir bei unserer Gemeindefahrt 2015 durch die Wiesen und Gärten zur Kirche San Damiano gingen, sahen wir die Bronzefigur, die das Titelbild unseres Pfarrbriefs zeigt. So kann man sich den Bruder Francesco vorstellen, wie er auf dem Erdboden sitzt inmitten der Gräser und Bäume, die Hände geöffnet, das Herz bei Gott.
Der in Berlin lebende Priesterdichter Ernst Thrasolt hat vor über 100 Jahren ein Gedicht geschrieben, in dem er den Heiligen anspricht:
Lehr mich, dass alle Dinge sind
Gottes Seele und Hauch und Blut und Kind,
Lehr mich, dass alle Brüder sind und Schwestern,
Himmel und Erde, Mensch und Tier, Luft und Wind, Land und Meer,
Leben und Tod, oben und unten, heute und gestern.
Und lehr mich atmen mit der Sonne Mund
Und tauen mit Mond und Sternen, in gleichen Grund
Pflanz mich mit Grashalm und Blume.
Lass mich reifen in dem Sonnenglanz, mit dem Korn
Aus braunem Acker und heiliger Scholle und Krume
Und klar und kühl sein wie Berg und Wald und Born.
Mach, dass sich Blüten zu mir wenden,
Dass die Fischlein aus dem Wasser springen,
Lass die Vögel ausruhn und Nester baun in meinen Händen
Und von Sonne und Mensch und Gott und dir
Mir Lieder singen.
Immer wieder heißt es „Lehr mich“. Wenn Franziskus uns das lehren könnte, den Rhythmus und die Hektik eines Tages zu durchbrechen, herunterzukommen, sich wie er auf die Erde zu setzen und nachzuspüren: Wir sind mit allem, was wir sehen, kleine Geschöpfe Gottes, von ihm geliebt und zu seinen Kindern gemacht. Mit allen Geschöpfen sind wir verwandt und einander Schwestern und Brüder. Und alles beginnt nicht mit dem Planen und Machen, sondern mit dem Sehen und Hören, mit dem Staunen und Danken. Dass ein Mensch so leben kann, und nicht nur in einer flüchtigen Laune, sondern bis zum Tod, das hat schon die Zeitgenossen berührt und sie angeregt, ihren gewohnten Lebensstil zu hinterfragen. „Man macht, man sagt…, alle haben, alle wollen…“ – Was tue ich? Was sehe ich? Wie gehe ich mit unserer Schöpfung um, mit den Menschen, mit mir selbst? Lehr mich, Franziskus, herunterzukommen. Hilf mir, dass Augen, Ohren und Hände aufgehen.
Gemeinsam mit den Mitarbeitenden grüßt Sie
Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle